Modewort ↔ Lernprozess
Samstag, Juli 24th, 2010
Ich kann dieses Wort nicht mehr hören. Was bitte soll das sein? Wen interessiert es wer was lernt? Der Lernprozess kommt immer genau dann ins Spiel, wenn der Lebensberater an seine rhetorischen Grenzen gerät, und die sind wirklich, beim überwiegenden Teil der Lebensberater, extrem eng gesteckt. Sicher ist es richtig, dass Menschen sich nur dann weiter entwickeln, wenn sie mit Dingen konfrontiert werden, die ihnen sehr schwer fallen, nehmen wir nur einmal die Geduld. Tja Geduld für was? Für wen? Meistens geht es doch um einen Mann. Der Mann hat eine Blockade (lieber Himmel), du musst Geduld haben, er trennt sich bald, es ist dein Lernprozess. Wenn sie das aber garnicht will, warum quält sie sich dann mit diesem Thema herum? Kann das jemand erklären, kann das jemand der Ratsuchenden bündig erklären? Es würde mich wundern, (Ausnahmen ausgeschlossen). Welches Bild entsteht? Der Lebensberater mit erhobenem Zeigefinger, der einen Lernprozess impliziert, liebe Leute gehts noch?
Glaubt ihr Berater eigentlich selbst an den Blödsinn den ihr da verzapft?
Um in dieser Thematik kompetent beraten zu können muss man 5 Dinge haben, bzw. beherrschen:
- eine ausgeprägte Menschenkenntnis (Grundkenntnisse der Anthropologie eingeschlossen)
- psychologisches Gespür
- die Grundlagen der Rhetorik
- Lebenserfahrung
- ein bisschen Hellsicht und Empathie wären auch nicht verkehrt
Aber bei den Meisten hapert es ja schon mit einem einzigen Kriterium. Fakt ist, wenn ein Mensch partout nicht begreifen will oder kann, dann gibt es niemanden der ihm bis dato allumfassende Erklärungen geben konnte, denn die wichtigsten Dinge, das menschliche Gespür betreffend z.B., kann man nirgends nachlesen. Dafür sind die Esoteriker zuständig, denn der Begriff Esoterik bedeutet → innerlich. Also wenn eine Frau z.B. Zusammenhänge nicht verstehen kann, dann muss man sich schon mal auf die Reise machen, und dieser Kundin ihr eigenes Innenleben erklären, statt etwas von einem Lernprozess zu faseln:
- warum sie ausgerechnet diesem Mann verfallen ist
- weshalb sie vergeblich auf seine Trennung wartet
- dass es meist in erster Linie nichts mit ihr zu tun hat
- dass sie häufig eine Art Warmhalteopfer ist
- dass es, je älter man wird, immer schwieriger wird eine Beziehung zu dem Mann einzugehen der einem zusagt, da jeder ja schon sein Lebensgebäude errichtet hat, das ihn geprägt hat
- wie Männer ticken, wie Frauen ticken ab einem bestimmten Alter (siehe Anthropologie, Psychologie, nicht verwechseln mit Verallgemeinern)
- den 7 Jahres Rhythmus
- dass der materielle Aspekt schwerer wiegt als Gefühle, deretwegen man ja im Leben schon genug Fehler gemacht hat
- dass die Ehefrau eben doch noch ein größere Rolle spielt als zugegeben
- dass sie aus dem Wartemodus herauskommen muss, weil sie es nicht schaffen wird bei diesem Mann Vergangenes zu toppen
- emotionale und sozial Bande
- Bequemlichkeiten
- eingeschlichene Sicherheitsmechanismen
- Eigendynamik- Psychodynamik
…und unendlich vieles mehr, und all das wird dem arglosen Kunden lapidar als Lernprozess verkauft, wo der Kunde nicht weiß, was er damit anfangen soll. Und wieso er lernen muss, für wen, für was, und wer bestimmt das?
So jetzt hab ich es geschafft, jetzt habe ich meinen Aufreger für heute weitergegeben, ach das tut gut. Ich habe das alles lange in mich hineingefressen, man wird ja in diesem Metier immer und immer wieder damit konfrontiert, und zwar von beiden Seiten. Ja bei mir laufen auf geheimnisvolle Weise viele Fäden zusammen, ich bin eine esoterische Schattengestalt, ein Lernprozess…?!
Dieser Tag heute hat für mich etwas von einem Wasserfall, der mit Getöse in die Tiefe rauscht.

