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Phänomene an denen sich die Wissenschaft die Zähne ausbeißt

Montag, August 16th, 2010

Faszinierend und umstritten sind die unterschiedlichen Methoden von Hellseher, Wahrsager & Co. Das Gebiet der Mantiken z.B. ist riesig. Viele Arten zu sehen, werden heute nicht mehr, oder nur noch sehr selten praktiziert. Man kann aus allen möglichen Medien die Zukunft vorhersagen, aus Nahrungsmitteln, aus den Gedärmen frisch geschlachteter Tiere, aus der Strömung des Wassers, aus dem Wasserdampf, aus dem Eis, aus der Hand, aus den Karten, aus der Kristallkugel, aus den Wolken, aus Zahlen, aus den Schreien von Verletzten, aus Knochen, aus der Art wie sich Vögel im Flug formieren und unendlich vieles mehr.

Und die Wissenschaftler beißen sich fest, untersuchen die Möglichkeiten von diesem und jenem. Stempeln dieses und jenes als Humbug ab, als wissenschaftlich nicht belegbar. Was nichts anderes heißen soll als: “Sorry, es lässt sich partout mit Gewalt nicht ans Licht zerren und entzaubern, also ist es nicht existent.“ Dabei liegt die Lösung doch eigentlich auf der Hand. Jedes Kind macht es uns vor, aber um das zu erkennen, muss man Fantasie besitzen, und eine freien Geist. Ich erkläre das mal für verknöcherte Skeptiker zum mitmeißeln an einem Beispiel:

Ich* Lisa, was malst du denn da?
Lisa (4 Jahre alt) * Einen Drachen.
Ich* Und dann ist das hier wohl eine Wolke?
Lisa* Nein, der Kopf.
Ich* Ah, der Drache steht wohl auf 8 Beinen? Hat ein Drache nicht bloß 4 Beine?
Lisa* Nein, das ist der Thron, er ist der Drachenkönig…

Und das was ich für Stalaktiten hielt, war seine Krone. Lisa’s chinesisches Tierkreiszeichen ist Drache.

Ich kann nicht sehen was Lisa sieht, weil sie eine andere Art hat zu sehen, genauso wie mir Picassos Bilder wenig sagen, weil auch er eine andere Sicht auf die Dinge hatte. Demzufolge kann ich auch nichts mit einer Kristallkugel anfangen, oder mit den dampfenden Eingeweiden frisch geschlachteter Tiere.

Jeder Mensch vermag aus den ihn umgebenden Dingen andere Informationen zu ziehen. So etwas lässt sich nun einmal nicht verallgemeinern, oder in eine Formel sperren, oder in einen staubtrockenen wissenschaftlichen Bericht. Ein Kartomant fühlt sich angesprochen durch die Symbolik und die Anordnung des von ihm gewählten Kartendecks, ein Arithmomant vermag in Zahlen zukünftige Ereignisse zu erkennen, und ein Hydromant ließt aus der Strömung des Wassers.

Menschen, die sich ein Leben lang mit Fremdwissen voll gestopft haben, haben diese Fähigkeiten zu sehen nie entwickeln können. An dieser Stelle höre ich lieber auf, weil ich sonst wieder von der Mantik in unsere verkorkste Weltordnung wechsle, und das könnte dann ein abendfüllendes Programm werden. So viel Potenzial, so eine Verschwendung, nein pscht Schluss.

Klar ist, dass jeder Mensch eine andere Sicht auf die Dinge entwickelt, und klar ist auch, dass man niemanden vorschreiben, bzw. ausreden kann was er zu sehen hat und was nicht. Trotzdem wird sie praktiziert, die ideologische Kontrolle.

Noch eine kleine Anekdote zum Schluss:

Psychiater* Na Herr Müller, wie geht es ihnen heute?
Herr Müller* Ich sehe sie immer noch, manchmal sehe ich hunderte bunte Schmetterling um mich herum, dann sind es wieder bunte Kreise.
Psychiater* Na, dann müssen wir ihre Dosis erhöhen Herr Müller, und dann geht es schon wieder.

Der arme Herr Müller, vielleicht sieht er die Schmetterlinge wirklich? Aber zum Glück haben wir Wissenschaftler und Ärzte, die uns sagen, was wir zu sehen und zu glauben haben. Wie sich die Zeiten ändern, vor nicht allzu langer Zeit war es die Kirche…

Dieser Tag heute hat für mich etwas von einer uralten Seeschildkröte, die mit ihrem moosbewachsenen Panzer langsam und träge, nach einem Sonnebad an der Oberfläche, in die dunkelblauen tiefen des Ozeans zurück schwimmt.