Es war einmal vor ca. 9 Jahren…
Mittwoch, August 11th, 2010
Anruf mitten in der Nacht, ich lag schon im herrlichsten Schlummer:
Ich bin an einem Punkt in meinem Leben angelangt, wo ich nicht mehr weiter weiß. Ich bin zwar spirituell, aber auch christlich. Was soll ich tun? Soll ich einem spirituellen Club beitreten, oder soll ich lieber mehr in die Kirche gehen? Aber um ehrlich zu sein, habe ich dazu gar keine Zeit, weil meine 3 Kínder mich auf Trab halten, ähm das 4. ist unterwegs. Dazu noch der Hof, die Tiere mein kranker Schwiegervater und mein Mann, ach hör bloß auf mit meinem Mann. Ich arbeite locker das Dreifache von dem was er am Tag so tut, und trotzdem fordert er immer mehr und mehr von mir, tu dies, tu das, und schau nicht wie 10 Tage Regenwetter aus der Wäsche. Könntest Dich ja auch mal ein bisschen sexy anziehen für mich, wenn ich nachhause komme.
Für ihn arbeitet nur der hart, der das auch in klingender Münze entlohnt bekommt, und mit diesem Argument endet jedes Gespräch, wenn ich ihm signalisiere dass ich überfordert bin mit dem großen Haus und überhaupt. Oben klingelt mein Schwiegervater, weil er mal auf die Toilette muss, und unten streiten die Kinder, und die Kartoffeln sind jeden Moment gar. Auf dem Tisch ein Brief aus der Schule, und Rechnungen über Rechnungen. Und was macht er? Er sitzt in seinem “Büro“ und wartet bis ich ihn zum essen rufe, tss Büro, dabei mache ich den ganzen Rechnungs- und Papierkram, der weiß ja nicht mal wie man eine Überweisung tätigt. Ich brauch unbedingt was, was mir einen Ausgleich bringt, aber ich weiß nicht wo ich anfangen soll.
Mir fallen die Haare aus, ich habe eine total unreine Haut, ich sehe nicht nur scheußlich aus, ich fühle mich auch so. Ich fühle mich so alt, und so müde. Soll ich Kartenlegen lernen? Oder soll ich lieber pendeln? Sag doch mal, schau mal in Deine Karten was am besten zu mir passt, ich will auch nicht dass das ewig dauert mit der Lernerei, weil ich sonst den Verstand verliere. Ich habe ja auch niemanden mit dem ich mal reden könnte. Herrje, und so geht das tagein, tagaus, Jahr für Jahr…was soll ich denn nun machen mit meiner SPIRITUALITÄT?
Uff, wahrlich ein Großbaustelle.
Das war vor ca. 9 Jahren eine Kundin von mir. Heute ist sie eine Kollegin. Sozusagen eine Zangengeburt. Ich weiß nicht wie oft sie bei unseren Gesprächen aufgelegt hat, ich weiß auch nicht wie oft sie mich beschimpfte, aber eines weiß ich, sie ist mir heute sehr dankbar. Nicht dass ich ihr gesagt hätte wo es lang geht, wie auch? Sie hat mich ja kaum zu Wort kommen lassen, ich musste notgedrungen zu hören, aber auch ich habe dabei gelernt. Ich hatte unendlich viele Ratschläge für sie, aber ich glaube, das hätte sie heillos überfordert. Zu jedem Telefonat hat sie geredet wie ein Wasserfall, abwechselnd geweint, geflucht, geschimpft und dann ist sie wieder in sich zusammengesackt.
Es kam wie es kommen musste. Mit dem Tod des Schwiegervaters wurde die Lawine ausgelöst in ihrem Leben. Ein riesiger Umwälzprozess, und damit einhergehend mehrere Metamorphosen. Sie war mehr als einmal nahe am Kollaps, von ihrem sturen, uneinsichtigen und egoistischen Mann hat sie sich nach einigem hin und her getrennt, er hat jeden Schritt in Richtung Verbesserung ihrer Lebensqualität boykottiert. Ich sagte ihr, dass die SPIRITUALITÄT selbst nicht der erste Schritt ist den sie gehen müsste, sondern sie müsste erst einmal Platz schaffen für die SPIRITUALITÄT. Na ja, Hof war dann nach 2 Jahren verkauft, sogar mit Gewinn. Die Liebe hat auch wieder Einzug gehalten in ihr Leben, die hat einen sehr verständnisvollen, und vor allem klugen Mann, kennen gelernt. Auf einer Esoterikmesse, wo sie als Standhilfe gejobbt hat. Sie sind jetzt eine Patchwork Family, er ist Witwer und hat 2 Kinder mit in die Beziehung gebracht.
Alles läuft wie am Schnürchen, eine mittelgroße Familie mit Hund, Meerschweinchen und Chinchillas, mit ganz alltäglichen und erträglichen Problemen, wo keines der Familienmitglieder seine Person untergraben, und seine Intensionen und Individualitäten verleugnen muss. Es wird alles gefördert, gehegt und gepflegt was sich so ergibt. Arbeitsteilung und Respekt füreinander heißt die Zauberformel.
Klingt wie ein Märchen, nicht wahr?
Ist es aber nicht. Manchmal sagt sie zu mir: “Brosilie, wenn ich dich nicht gehabt hätte, ich weiß nicht wo ich gelandet wäre. Du hast mir so tolle Hinweise, Ratschläge und Tipps gegeben, danke, danke, danke. Danke, dass du mir immer zugehört hast, du hast dich nächtelang von mir mit Problemen zuschütten lassen. Dir verdanke ich mein neues Leben und mein Glück, und meine neuen Haare, ich kann wieder in den Spiegel schauen. Das hätte ich nie zu hoffen gewagt“
Eigentlich erstaunlich, wo ich doch so gut wie nie zu Wort kam.Aus der Kirche ist sie übrigens ausgetreten…
Schlagworte aus der Eso Szene, die bei so manchem
Dazu müsste man zuerst einmal wissen, weshalb Mann und Frau, oder Mann und Mann, oder Frau und Frau auf eine Art und Weise zusammenfinden, die ausschließlich mit
Eine Frage, die immer einmal wieder aufkommt ist: “
